VDI 2035, Blatt 2

"Vermeidung von Schäden in Warmwasserheizungsanlagen, heizwasserseitige Korrosion"

Geltungsbereich:

Warmwasserheizungsanlagen nach DIN EN 12828,
Trinkwassererwärmungsanlagen nach DIN 4753,

 


 

Allgemeines

Genau wie die schon seit geraumer Zeit vorliegende Überarbeitung des Teils 1 schließt der im August erschienene Teil 2 dieser Richtlinie an die „Tradition“ der kontinuierlichen Weiterentwicklung der VDI 2035 an.

Mit dem Ziel die Komponenten von Heizungsanlagen in Gebäuden effektiv zu schützen, trägt das Blatt 2 die gleiche Handschrift wie Blatt 1 und dient dem Praktiker als wertvolle Orientierung. Aktuelle und zeitgemäße Kenntnisse der Anlagentechnik, der angewendeten Werkstoffe und neue Erkenntnisse zu Korrosionsvorgängen und deren Zusammenhänge sind die Grundlage und der Hintergrund für die Überarbeitung des Blattes gewesen.

Mit praktischen gut zusammengefassten Hinweisen und Informationen will das Blatt 2 Komponenten von Heizungsanlagen vor einer Zerstörung oder einem Korrosionsangriff schützen bzw. die Korrosionwahrscheinlichkeit minimieren.

 


 

Was ist wichtig bzw. hat sich geändert?

- korrosionstechnisch geschlossenes System
Eine Kernaussage des Blattes 2 ist die Feststellung, dass ein Hauptaspekt zur Vermeidung von Korrosion die konsequente Vermeidung von permanent eingebrachtem Sauerstoff in das Heizungswasser sein muss. Eine große Bedeutung wird dabei der Druckhaltung beigemessen. Das ist nicht verwunderlich, aber wird hier zum ersten Mal deutlich in einer Richtlinie außerhalb der Großanlagentechnik beschrieben.

Die Richtlinie fordert den Bau von korrosionstechnisch geschlossenen Systemen und schickt somit eindeutig Anlagenkomponenten ins Aus, die Heizungswasser in direkten Kontakt mit Luftsauerstoff bringen. Hierdurch sind z.B. Druckhaltesysteme mit Ausdehnungsgefäßen ohne Membran jetzt endlich und ausdrücklich ins Visier der Korrosionfahnder geraten, und zwar so, dass es für alle verständlich ist.

-Wartung mit Schwerpunkt Druckhaltung
Ebenso wird der lange bekannte Aspekt der notwendigen Wartung auch von Ausdehnungsgefäßen in den Fokus gerückt. Nicht gewartet bzw. funktionsuntüchtig verursachen sie Unterdruckbildung im System und fördern so den Lufteintrag mit den bekannten Folgen.

-fachgerechtes Planen
Gefordert ist auch mit dem Hinweis der bereits seit Jahren auch in der DIN EN 12828 existiert. Fachgerecht Planen - ein elementares Fundament zur Vermeidung von Schäden.

-keine Chemie
Für den Praktiker sehr verständlich beschrieben sind Korrosionsvorgänge in Verbindung mit verschiedenen Werkstoffen. Immer wieder und eindeutig weist die VDI darauf hin, dass die „chemische Keule“ in Form von Zusatzstoffen in den allerseltensten Fällen zum Einsatz kommen muss bzw. sollte. Die VDI befürwortet eher genau das Gegenteil und lichtet somit den Dschungel der Wasserchemie in Heizungsanlagen stark.

-ph-Wert
wichtig Hoher Augenmerk liegt auf Kenntnis und Überwachung des ph-Wertes. Abhängig von den verwendeten Werkstoffen soll er zwischen 8,2 und 10 liegen. An die Notwendigkeit sich im Klaren über den notwendigen bzw. vorhandenen ph-Wert des Heizungswassers zu sein wird sich der Fachmann wohl gewöhnen müssen. Er ist neben dem Sauerstoffgehalt eine wichtige Größe für die Möglichkeit des Vorhandensein von Korrosionsvorgängen.

Der ph-Wert ist ohne großen apparatechnischen Aufwand leicht zu prüfen. Anlagen benötigen eine gewisse Zeit zur Entwicklung bzw. Stabilisierung des Heizwasser-ph-Wertes. Meistens ist kein Zutun von außen notwendig damit sich der erforderliche alkalische Bereich einstellt. Die sogenannte Eigenalkalisierung findet selbsttätig nach dem Füllen eines Systems statt und sollte nach 8-12 Wochen Betriebszeit kontrolliert werden.

-neu- die Leitfähigkeit
Die Betrachtung der elektrischen Leitfähigkeit des Heizwassers ist in der Überarbeitung gegenüber früheren Ausgaben neu. Hingewiesen wird auf den in anderen Regelwerken bereits gemachten Zusammenhang - "geringe Leitfähigkeit mindert die Korrosionswahrscheinlichkeit durch Sauerstoff".

Besonders interessant und für die Praxis wichtig ist aber auch der Hinweis auf die Tatsache, dass Zusatzstoffe im Heizwasser, wie Inhibitoren oder Sauerstoffbindemittel die Leitfähigkeit erhöhen. Also dass Heizwasser förderlicher für die gefürchtete Sauerstoffkorrosion machen. Genau wie zum Thema Eigenalkalisierung klärt die VDI den Praktiker aber auch darüber auf, dass in einem korrosionstechnisch geschlossen System sich selbstständig eine unkritische Sauerstoffkonzentration einstellten wird.

Vor einer Fehlinterpretation, wie bereits vermehrt in Veröffentlichungen aufgetaucht, dass nur salzarmes (entsalztes) Heizwasser noch einen sicheren Anlagenbetrieb ermöglicht, ist an dieser Stelle zu warnen.

-Dokumentation
Zur Sicherheit für den Anlagenersteller und natürlich für den Betreiber schlägt die VDI 2035 die Führung eines Anlagenbuches vor. Genau wie bereits im Teil 1 gefordert und für den Überblick zu den geleisteten Maßnahmen wichtig, soll das Anlagenbuch dokumentieren welche Maßnahmen erforderlich sind bzw. durchgeführt wurden. Das Anlagenbuch ist als Musterbeispiel aufgebaut und fasst noch einmal alle wichtigen Parameter beider Richtlinienteile praktisch zusammen.

 


 

Resümee
Die VDI 2035 Blatt 2 bietet dem Fachmann gute und klare Hinweise zur Vermeidung von Korrosionsschäden in Heizungsanlagen. Die Inhalte sind so dargestellt, dass sie der interessierte Fachmann verstehen und umsetzen kann. Die wichtigsten Eckpunkte sind deutlich herausgearbeitet und die VDI scheut sich auch nicht kritische Anmerkungen in Richtung Chemie zu machen. Sie dient auf jeden Fall der Herstellung von Übersichtlichkeit im Umgang mit der Heizwasserbehandlung und -aufbereitung.

Der VDI hat mit dieser Richtlinie erneut ein Werk für den Fachmann bereitgestellt, welches im Gegensatz zu dem vorwiegend europäischen Normenwerk sehr konkret anzuwenden ist.


  • Hotline

    Rufen Sie bei Fragen einfach
    unsere zentrale Rufnummer an!
    Tel.: +49 2382 7069-0
    (Mo-Fr 8.00 - 16.30 Uhr)

    Ansprechpartner finden